Unter der Erde laufen Prozesse ab, die für Pflanzen mindestens so wichtig sind wie Licht und Pflege über der Oberfläche. Einer davon ist Mykorrhiza: eine Symbiose zwischen bestimmten Pilzen und Pflanzenwurzeln.
Diese Partnerschaft existiert seit hunderten Millionen Jahren und spielt in vielen natürlichen Ökosystemen eine wichtige Rolle. Auch im Garten, Hochbeet oder Pflanzgefäß lässt sich dieses Prinzip gezielt nutzen.
Was ist Mykorrhiza?
Der Begriff Mykorrhiza bedeutet sinngemäß „Pilzwurzel“. Dabei besiedeln geeignete Pilze die Wurzel einer kompatiblen Pflanze. Die Pflanze liefert dem Pilz Kohlenstoffverbindungen aus der Photosynthese. Im Gegenzug erschließt das feine Pilzgeflecht Bodenbereiche, die von Wurzeln allein schlechter erreichbar sein können.
Für viele Gemüse-, Kräuter-, Zier- und Kulturpflanzen ist besonders die arbuskuläre Mykorrhiza relevant. Daneben existieren andere Formen wie die Ektomykorrhiza, die unter anderem bei zahlreichen Baumarten vorkommt.
Wie funktioniert die Symbiose?
Aus der besiedelten Wurzel wachsen mikroskopisch feine Pilzhyphen in das umgebende Substrat. Weil diese Hyphen wesentlich feiner als Pflanzenwurzeln sind, können sie zusätzliche Bodenporen erschließen.
Dadurch kann sich der effektiv erschlossene Bodenraum vergrößern. Besonders bekannt ist die Bedeutung der Symbiose für die Phosphoraufnahme; je nach Pflanze und Bedingungen können auch Wasser und weitere Nährstoffe besser erschlossen werden.
Welche Vorteile kann Mykorrhiza haben?
1. Größerer erschlossener Wurzelraum
Das Hyphennetz ergänzt das eigentliche Wurzelsystem. Die Pflanze kann dadurch auf einen größeren Bereich des Substrats zugreifen.
2. Unterstützung der Nährstoffaufnahme
Mykorrhizapilze können schwerer erreichbare Nährstoffquellen erschließen. Besonders gut untersucht ist dieser Effekt für Phosphor.
3. Unterstützung bei Trockenstress
Unter bestimmten Bedingungen können mykorrhizierte Pflanzen Wasser effizienter erschließen und Trockenstress besser bewältigen. Wie stark der Effekt ausfällt, hängt von Pflanzenart, Pilz, Boden und Umweltbedingungen ab.
4. Wechselwirkungen mit dem Bodenleben
Mykorrhiza ist Teil eines größeren Bodenökosystems. Pilzhyphen, Pflanzenwurzeln, Bakterien und organische Substanz beeinflussen gemeinsam die biologischen und physikalischen Eigenschaften des Wurzelraums.
5. Potenziell stabilere Pflanzenentwicklung
Eine verbesserte Erschließung von Wasser und Nährstoffen kann Pflanzen besonders unter suboptimalen Bedingungen unterstützen. Mykorrhiza ersetzt dabei weder Licht noch Wasser noch eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung.
Was Mykorrhiza nicht ist
Mykorrhiza ist kein klassischer Dünger und kein universeller Wachstumsbooster. Eine Pflanze profitiert nur, wenn Pilz und Pflanzenart kompatibel sind und die Umweltbedingungen die Symbiose zulassen.
Welche Pflanzen bilden Mykorrhiza?
Sehr viele Kulturpflanzen können arbuskuläre Mykorrhiza bilden. Dazu gehören beispielsweise zahlreiche Gemüse-, Obst-, Kräuter- und Zierpflanzen.
Für konkrete Anwendungsfälle findest du eigene Guides zu Mykorrhiza für Tomaten und Gemüse sowie Mykorrhiza für Zimmerpflanzen.
Es gibt jedoch wichtige Ausnahmen. Viele Kreuzblütler wie Kohl, Brokkoli, Raps und Senf bilden normalerweise keine arbuskuläre Mykorrhiza.
Wie wird Mykorrhiza richtig angewendet?
Der wichtigste Punkt ist direkter Kontakt mit lebenden Wurzeln. Deshalb eignet sich die Anwendung besonders beim Einpflanzen und Umtopfen.
Das Inokulum wird entsprechend der Produktdosierung direkt in die Wurzelzone gegeben. Bei bestehenden Pflanzen kann es gezielt in den durchwurzelten Bereich eingebracht werden.
Eine ausführliche Anleitung findest du in unserem Guide zu Zeitpunkt, Dosierung und Wurzelkontakt. Fürs Umtopfen gibt es zusätzlich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.
Mykorrhiza und Dünger
Mykorrhiza ersetzt keine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung. Gleichzeitig können sehr hohe Nährstoffkonzentrationen – insbesondere eine hohe Phosphorverfügbarkeit – die Ausbildung der Symbiose beeinflussen.
Welche mineralischen und organischen Dünger grundsätzlich kombinierbar sind, erklären wir ausführlich in Mykorrhiza und Dünger: Was funktioniert zusammen?.
Was kann die Besiedlung beeinträchtigen?
Sehr hohe Nährstoffkonzentrationen, bestimmte Fungizide, schlechte Wurzelgesundheit und dauerhaft ungeeignete Bodenbedingungen können die Symbiose beeinflussen.
Mehr dazu: 5 häufige Fehler bei der Anwendung von Mykorrhiza.
Mykorrhiza und lebendiger Boden
Mykorrhiza funktioniert nicht isoliert. Gute Bodenstruktur, organische Substanz, ausreichende Belüftung, passende Feuchtigkeit und ein vielfältiger Wurzelraum bilden gemeinsam die Grundlage für aktives Bodenleben.
Wenn du deinen Boden als System aufbauen möchtest, findest du hier unsere 10 Tipps für lebendigen Boden.
Mykorrhiza-Themen im Überblick
Wenn du gezielt tiefer einsteigen möchtest, findest du hier die wichtigsten Praxis-Guides:
- Anwendung, Zeitpunkt und Dosierung
- Mykorrhiza beim Umtopfen
- Mykorrhiza für Tomaten und Gemüse
- Mykorrhiza für Zimmerpflanzen
- Mykorrhiza und Dünger
- Häufige Fehler vermeiden
Mykoritter Premium Mykorrhiza
Mykoritter von Grow Castle ist für die gezielte Anwendung im Wurzelbereich konzipiert und enthält arbuskuläre Mykorrhiza. Entscheidend ist, das Inokulum korrekt zu lagern und direkt an eine passende Pflanzenwurzel zu bringen.
Fazit
Mykorrhiza ist kein modernes Wundermittel, sondern eine sehr alte biologische Partnerschaft. Richtig eingesetzt kann sie den von Pflanzen erschlossenen Bodenraum erweitern und die Versorgung mit Wasser und bestimmten Nährstoffen unterstützen.
Der Schlüssel liegt in der richtigen Pflanzenwahl, gutem Wurzelkontakt und passenden Bedingungen.