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22.04.2025 Lukas Müller

Mykorrhiza anwenden: Zeitpunkt, Dosierung und Wurzelkontakt

Mykorrhiza anwenden: Zeitpunkt, Dosierung und Wurzelkontakt

Bei der Anwendung eines Mykorrhiza-Inokulums entscheidet nicht ein bestimmter Wochentag oder Monat, sondern der Kontakt zu einer lebenden, kompatiblen Wurzel. Der enthaltene Mykorrhizapilz muss in die aktive Wurzelzone gelangen, damit Pflanze und Pilz eine Mykorrhiza-Symbiose aufbauen können.

Hier erfährst du, wann du das Inokulum einsetzen kannst, wie du es bei neuen und bestehenden Pflanzen platzierst und worauf es bei der Dosierung ankommt.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Ideal ist jede Situation, in der du direkten Zugang zu jungen oder aktiv wachsenden Wurzeln hast:

  • beim Pikieren geeigneter Sämlinge,
  • beim Einpflanzen gekaufter Jungpflanzen,
  • beim Umsetzen bewurzelter Stecklinge,
  • beim Auspflanzen ins Beet, Hochbeet oder Gewächshaus,
  • beim Umtopfen,
  • bei bestehenden Pflanzen, wenn das Material gezielt in die Wurzelzone eingebracht werden kann.

Eine frühe Anwendung ist oft sinnvoll, weil der Pilz junge Wurzeln besiedeln und das extraradikale Myzel mit dem Wurzelsystem weiterwachsen kann. Eine spätere Anwendung ist aber nicht grundsätzlich wirkungslos.

Beim Einpflanzen anwenden

  1. Pflanzloch oder neues Gefäß vorbereiten.
  2. Inokulum entsprechend der Produktdosierung dort platzieren, wo der Wurzelballen sitzen wird.
  3. Darauf achten, dass ein Teil des Materials direkten Kontakt zu lebenden Wurzeln erhält.
  4. Pflanze einsetzen und mit passendem Substrat auffüllen.
  5. Entsprechend den Bedürfnissen der Pflanzenart angießen.

Beim Umtopfen liegt der Wurzelballen besonders gut zugänglich. Die vollständige Vorgehensweise findest du unter Mykorrhiza beim Umtopfen.

Bei bestehenden Pflanzen anwenden

Eine etablierte Pflanze muss nicht immer vollständig ausgegraben werden. Je nach Topfgröße und Wurzelsystem kannst du mehrere schmale Löcher bis in den durchwurzelten Bereich anlegen und das Inokulum dort verteilen. Anschließend werden die Öffnungen mit Substrat geschlossen und passend angegossen.

Nur trocken auf die Oberfläche gestreutes Material ist weniger gezielt. Bis es eine geeignete Wurzel erreicht, kann deutlich mehr Zeit vergehen oder der Kontakt ganz ausbleiben.

Wie viel Inokulum braucht eine Pflanze?

Die richtige Menge hängt vom Produkt, der Konzentration lebensfähiger Propagulen und der Größe des Wurzelraums ab. Für Mykoritter Premium Mykorrhiza gilt als praktische Orientierung:

  • kleiner Wurzelballen: etwa 5 g pro Pflanze,
  • größerer Wurzelraum: entsprechend mehr, beispielsweise ungefähr 10 g bei einem 40-Liter-Topf.

Wichtiger als eine möglichst hohe Menge ist die Platzierung unmittelbar an den Wurzeln. Mehr Pulver führt nicht automatisch zu einer stärkeren Symbiose.

Muss das Inokulum regelmäßig nachdosiert werden?

Das Inokulum ist kein Dünger, der nach einem festen Kalender nachgefüllt wird. Hat sich eine Symbiose etabliert, kann das Myzel zusammen mit dem aktiven Wurzelsystem weiterwachsen.

Eine erneute Anwendung kann sinnvoll sein, wenn die Pflanze in ein deutlich größeres Gefäß gesetzt wird, neuen Substratraum erschließt oder das Wurzelsystem stark gestört wurde.

Welche Bedingungen unterstützen die Etablierung?

Kompatible lebende Wurzeln

Nicht jede Pflanzenart kann eine arbuskuläre Mykorrhiza-Symbiose eingehen. Viele Kreuzblütler wie Kohl, Brokkoli, Blumenkohl, Radieschen und Senf gelten überwiegend als Nicht-Wirte. Weitere Beispiele stehen unter Für welche Pflanzen ist arbuskuläre Mykorrhiza nicht geeignet?.

Ausgewogene Feuchtigkeit

Das Substrat sollte zur Pflanzenart passend feucht sein, aber nicht dauerhaft wassergesättigt. Staunässe belastet die Wurzeln und reduziert den Sauerstoff im Wurzelraum.

Bedarfsgerechte Nährstoffversorgung

Sehr hohe Nährstoff- und Salzkonzentrationen können Wurzeln und Pilzstrukturen belasten. Eine besonders hohe leicht verfügbare Phosphormenge kann außerdem dazu führen, dass die Pflanze weniger stark in die Symbiose investiert. Mehr dazu findest du unter Mykorrhizapilze und Dünger.

Fungizide und Desinfektion prüfen

Bestimmte fungizide Wirkstoffe oder oxidative Verfahren können die Etablierung des lebenden Pilzes beeinflussen. Bei gleichzeitiger Anwendung sollte die Verträglichkeit geprüft werden.

Anwendung nach Kultur

Die Grundregel bleibt der direkte Wurzelkontakt; die Kulturbedingungen unterscheiden sich jedoch. Deshalb gibt es eigene Guides für Tomaten und Gemüse, Zimmerpflanzen, Stecklinge und Jungpflanzen, Coco und Hydroponik.

Häufige Fragen

Kann man das Inokulum ins Gießwasser geben?

Das hängt von der Formulierung und vom Bewässerungssystem ab. Ein trockenes Inokulum mit Trägermaterial lässt sich meist gezielter direkt an die Wurzel geben. In rezirkulierenden Systemen können Partikel Filter oder Tropfer belasten.

Kann man es auf die Substratoberfläche streuen?

Eine Oberflächenanwendung ist weniger zuverlässig, solange das Material nicht in die aktive Wurzelzone gelangt. Besser ist das gezielte Einbringen in Wurzelnähe.

Kann ich direkt danach düngen?

Grundsätzlich ja, sofern Pflanze und Substrat eine Düngung benötigen und keine unnötig hohe Konzentration entsteht. Vorgedüngte Erde benötigt direkt nach dem Umtopfen häufig keine zusätzliche Gabe.

Wie lagere ich das Inokulum?

Trocken, gut verschlossen und vor starker Hitze sowie direkter Sonne geschützt. Für Mykoritter ist eine Lagerung bei etwa 5 bis 25 °C vorgesehen.

Fazit

Der beste Zeitpunkt ist dann, wenn das Inokulum zuverlässig an lebende, kompatible Wurzeln gelangt. Beim Einpflanzen und Umtopfen ist das besonders einfach. Richtige Platzierung und passende Kulturbedingungen sind wichtiger als eine möglichst hohe Produktmenge.

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