Nicht jede Pflanze kann mit einem arbuskulären Mykorrhizapilz eine funktionelle Mykorrhiza-Symbiose eingehen. Einige Pflanzenarten gelten als Nicht-Wirtspflanzen, andere benötigen einen völlig anderen Mykorrhiza-Typ. Gleichzeitig gibt es innerhalb traditionell als „nicht-mykorrhizal“ eingestuften Familien Ausnahmen und standortabhängige Beobachtungen.
Für die Anwendung eines Produkts mit Rhizophagus irregularis ist deshalb eine präzise Frage sinnvoller als „Welche Pflanzen bilden keine Mykorrhiza?“: Kann die konkrete Pflanzenart eine arbuskuläre Mykorrhiza-Symbiose mit diesem Pilztyp eingehen?
Was ist eine Nicht-Wirtspflanze?
Eine Nicht-Wirtspflanze kann mit dem betrachteten Pilz keine funktionelle Symbiose aufbauen. Bei arbuskulärer Mykorrhiza bedeutet das normalerweise, dass keine regulären Austauschstrukturen wie Arbuskeln entstehen oder dass die für den gegenseitigen Nährstoffaustausch notwendige Verbindung nicht vollständig ausgebildet wird.
Wichtig ist die Bezugsgröße:
- Eine Pflanze kann Nicht-Wirt für einen bestimmten arbuskulären Mykorrhizapilz sein, aber einen anderen Pilzpartner akzeptieren.
- Eine Pflanze kann keine arbuskuläre Mykorrhiza eingehen, aber Ektomykorrhiza, ericoide oder Orchideenmykorrhiza bilden.
- Der mikroskopische Nachweis einzelner Pilzhyphen in einer Wurzel beweist noch keine funktionelle Mykorrhiza-Symbiose.
Die verschiedenen Symbiosetypen werden im Artikel Endomykorrhiza vs. Ektomykorrhiza erklärt.
Welche Pflanzenfamilien gelten häufig als nicht oder nur schwach arbuskulär mykorrhizal?
Die folgenden Gruppen werden in der Fachliteratur häufig als nicht-mykorrhizal, überwiegend nicht-arbuskulär-mykorrhizal oder nur eingeschränkt kompatibel beschrieben. Die Einordnung sollte nicht als ausnahmsloses Naturgesetz verstanden werden.
Kreuzblütler – Brassicaceae
Viele bekannte Kreuzblütler gelten als typische Nicht-Wirtspflanzen für arbuskuläre Mykorrhizapilze. Dazu gehören beispielsweise:
- Kohlarten wie Brokkoli, Blumenkohl, Weißkohl und Grünkohl,
- Raps,
- Senf,
- Radieschen und Rettich,
- Rucola,
- die Modellpflanze Arabidopsis thaliana.
Bei Brassicaceae fehlen teilweise zentrale genetische Komponenten der arbuskulären Symbiose. Außerdem können schwefelhaltige Abwehrstoffe und andere Wurzeleigenschaften die reguläre Kolonisierung beeinflussen.
Es gibt dennoch Berichte über Hyphen, Vesikel oder vereinzelt arbuskelähnliche Strukturen in einzelnen Arten und besonderen Standorten. Solche Beobachtungen bedeuten nicht automatisch, dass handelsübliche AM-Inokula bei Kohl zuverlässig einen positiven Effekt erzeugen. Für die praktische Anwendung sollte die Familie weiterhin überwiegend als ungeeignet betrachtet werden.
Amaranthaceae und frühere Chenopodiaceae
Viele Arten aus der erweiterten Familie der Amaranthaceae, zu der heute auch die früher separat geführten Chenopodiaceae zählen, werden häufig als nicht oder uneinheitlich mykorrhizal beschrieben. Gartenrelevante Beispiele sind:
- Spinat,
- Mangold,
- Rote Bete und Zuckerrübe,
- Quinoa,
- verschiedene Melden- und Gänsefußarten.
Auch hier existieren art- und standortabhängige Ausnahmen. Eine pauschale Aussage für jede Art der großen Familie wäre wissenschaftlich zu grob. Für den normalen Produkteinsatz sollte die konkrete Pflanzenart geprüft werden, bevor ein arbuskuläres Inokulum verwendet wird.
Proteaceae
Viele Proteaceae – etwa Protea-Arten – sind an extrem nährstoffarme, besonders phosphorarme Standorte angepasst. Sie bilden häufig spezialisierte Clusterwurzeln, die den Boden intensiv erschließen. Zahlreiche Vertreter gelten als nicht-mykorrhizal oder gehen keine typische arbuskuläre Mykorrhiza ein.
Diese Pflanzen reagieren zudem oft empfindlich auf hohe Phosphorgaben. Eine Anwendung sollte daher nicht allein aufgrund des allgemeinen Begriffs „Wurzelpilz“ erfolgen.
Pflanzen, die einen anderen Mykorrhiza-Typ benötigen
Diese Pflanzen sind nicht grundsätzlich „ohne Mykorrhiza“. Ein arbuskulärer Pilz wie Rhizophagus irregularis ist jedoch häufig nicht der passende Partner.
Viele typische Waldgehölze: Ektomykorrhiza
Viele Kiefern, Fichten, Buchen, Eichen und Birken leben überwiegend mit Ektomykorrhizapilzen. Dabei entsteht ein Pilzmantel um Feinwurzeln und ein Hartigsches Netz zwischen äußeren Wurzelzellen. Für diese Baumarten wird ein artspezifisch passendes Ektomykorrhiza-Inokulum benötigt.
Ein arbuskuläres Präparat wird nicht dadurch zur Ektomykorrhiza, dass es an einen Baum gegeben wird.
Heidekrautgewächse: ericoide Mykorrhiza
Viele Ericaceae, darunter Heidelbeeren, Preiselbeeren, Heidekraut und Rhododendren, sind an saure und nährstoffarme Standorte angepasst und bilden typischerweise ericoide Mykorrhiza. Diese Symbiose unterscheidet sich deutlich von arbuskulärer Mykorrhiza.
Bei einzelnen Ericaceae können zusätzliche oder abweichende Pilzbeziehungen vorkommen. Für Heidelbeeren oder Rhododendren sollte dennoch ein speziell geeignetes ericoides Produkt gewählt werden, nicht automatisch ein AM-Inokulum.
Orchideen: Orchideenmykorrhiza
Orchideensamen besitzen nur sehr geringe Reserven und sind in der Natur für die Keimung auf passende Pilzpartner angewiesen. Orchideenmykorrhiza wird von anderen Pilzgruppen gebildet und funktioniert anders als die arbuskuläre Symbiose von Gemüse- oder vielen Zimmerpflanzen.
Welche häufigen Gartenpflanzen sind meist geeignet?
Viele Gemüse-, Kräuter-, Zier- und Zimmerpflanzen können grundsätzlich arbuskuläre Mykorrhiza eingehen. Häufig kompatible Gruppen umfassen unter anderem:
- Tomaten, Paprika und Auberginen,
- viele Kürbisgewächse,
- viele Zwiebel- und Lauchgewächse,
- Mais und zahlreiche Gräser,
- viele Hülsenfrüchte,
- zahlreiche Kräuter und tropische Zimmerpflanzen.
Auch bei grundsätzlich geeigneten Familien können Arten, Sorten, Kulturbedingungen und Pilzisolate unterschiedlich reagieren. „Kompatibel“ bedeutet daher nicht automatisch „garantierter Wachstumsschub“.
Praktische Übersicht
| Pflanzengruppe | Typische Einordnung | Arbuskuläres Produkt? |
|---|---|---|
| Tomate, Paprika, viele Kräuter | Häufig arbuskulär mykorrhizal | Grundsätzlich passend, korrekte Anwendung vorausgesetzt |
| Kohl, Brokkoli, Raps, Radieschen | Brassicaceae, meist Nicht-Wirte | In der Praxis meist nicht sinnvoll |
| Spinat, Mangold, Rote Bete | Häufig nicht oder uneinheitlich AM-kompatibel | Art genau prüfen |
| Kiefer, Fichte, Buche, Eiche | Häufig ektomykorrhizal | Passendes Ektomykorrhiza-Produkt wählen |
| Heidelbeere, Rhododendron, Heide | Typisch ericoide Mykorrhiza | Ericoiden Pilzpartner wählen |
| Orchideen | Orchideenmykorrhiza | Kein gewöhnliches AM-Produkt als Ersatz |
Warum sind absolute Pflanzenlisten problematisch?
Die Forschung hat gezeigt, dass die Grenze zwischen „mykorrhizal“ und „nicht-mykorrhizal“ nicht in jedem Fall scharf ist. Gründe dafür sind:
- Unterschiede zwischen Arten derselben Familie,
- Unterschiede zwischen Standorten und Nährstoffbedingungen,
- unterschiedliche Pilzarten und Isolate,
- abweichende wissenschaftliche Kriterien für funktionelle Symbiose,
- Verwechslung von bloßer Wurzelpenetration mit echtem Nährstoffaustausch.
Eine seriöse Empfehlung verwendet daher Begriffe wie „überwiegend“, „typischerweise“ oder „für die konkrete Art prüfen“, wenn die Datenlage keine absolute Aussage erlaubt.
Wie prüfst du deine Pflanze?
- Botanischen Namen bestimmen: Handelsnamen sind häufig uneindeutig.
- Pflanzenfamilie recherchieren: Sie liefert einen ersten Hinweis auf den Mykorrhiza-Typ.
- Konkrete Art prüfen: Familien enthalten Ausnahmen.
- Mykorrhiza-Typ abgleichen: Arbuskulär, ekto-, ericoid oder Orchideenmykorrhiza sind nicht austauschbar.
- Produktdeklaration lesen: Enthaltener Pilz, Konzentration und vorgesehene Pflanzen müssen nachvollziehbar sein.
Was passiert bei einer ungeeigneten Pflanze?
Der Mykorrhizapilz kann keine reguläre funktionelle Symbiose aufbauen. Dadurch bleibt der erwartete Nutzen aus. Das Inokulum wird nicht zu einem Dünger und erzeugt auch nicht allein durch seine Anwesenheit ein größeres Wurzelsystem.
Einzelne Pilzhyphen können unter Umständen an oder in Nicht-Wirtspflanzen nachweisbar sein. Ohne typische Austauschstrukturen und beidseitigen Stoffaustausch sollte dies nicht als erfolgreiche Mykorrhiza interpretiert werden.
Häufige Fragen
Ist Mykorrhiza für Kohl geeignet?
Die meisten Kohlarten gehören zu den Brassicaceae und gelten als typische Nicht-Wirtspflanzen arbuskulärer Mykorrhizapilze. Eine Anwendung von Rhizophagus irregularis ist daher in der Praxis meist nicht sinnvoll.
Ist Mykorrhiza für Radieschen und Rucola geeignet?
Auch Radieschen und Rucola gehören zu den Brassicaceae. Sie werden gewöhnlich nicht als zuverlässige Wirtspflanzen arbuskulärer Mykorrhizapilze betrachtet.
Ist Mykorrhiza für Heidelbeeren geeignet?
Heidelbeeren bilden typischerweise ericoide Mykorrhiza. Ein allgemeines arbuskuläres Inokulum ist deshalb nicht automatisch passend.
Ist Mykorrhiza für Bäume geeignet?
Das hängt von der Baumart ab. Viele Waldgehölze benötigen Ektomykorrhizapilze, andere Bäume können arbuskuläre Mykorrhiza eingehen. „Für Bäume“ ist keine ausreichend genaue Produktangabe.
Kann eine Pflanze mehrere Mykorrhiza-Typen eingehen?
Bei einzelnen Pflanzenarten oder im Verlauf ihrer Entwicklung können unterschiedliche oder gemischte Pilzbeziehungen beobachtet werden. Das ändert nichts daran, dass für eine gezielte Anwendung der nachgewiesen passende Pilztyp gewählt werden sollte.
Kann ich es im Zweifel einfach ausprobieren?
Eine kleine Testgruppe ist möglich, ersetzt aber keine grundlegende Kompatibilitätsprüfung. Bei einer typischen Nicht-Wirtspflanze ist ein ausbleibender Nutzen wahrscheinlicher als der Aufbau einer stabilen arbuskulären Symbiose.
Fazit
Arbuskuläre Mykorrhiza ist für viele, aber nicht für alle Pflanzen geeignet. Typische Kreuzblütler wie Kohl, Brokkoli, Raps, Senf und Radieschen gelten überwiegend als Nicht-Wirtspflanzen. Andere Pflanzen wie Heidelbeeren, Orchideen oder viele Waldgehölze benötigen einen anderen Mykorrhiza-Typ.
MykoRitter Premium Mykorrhiza enthält den arbuskulären Mykorrhizapilz Rhizophagus irregularis. Das Produkt ist für kompatible Pflanzen bestimmt, die mit diesem Pilztyp eine arbuskuläre Mykorrhiza-Symbiose eingehen können.