Rhizophagus irregularis ist einer der am häufigsten untersuchten arbuskulären Mykorrhizapilze. Er kann kompatible Pflanzenwurzeln besiedeln, Arbuskeln als Austauschstrukturen ausbilden und extraradikales Myzel in das umgebende Substrat wachsen lassen. Genau dieser Pilz ist in Mykoritter enthalten. Der tatsächliche Nutzen hängt jedoch von Wirtspflanze, Wurzelkontakt, Substrat, Nährstoffversorgung, Umweltbedingungen und dem konkreten Pilzisolat ab.
Was ist Rhizophagus irregularis?
Rhizophagus irregularis gehört zu den arbuskulären Mykorrhizapilzen. In älterer Literatur und auf manchen Deklarationen findet sich noch die Bezeichnung Glomus intraradices. Durch taxonomische Neuordnungen hat sich der heute gebräuchliche Name geändert.
Der Pilz ist ein obligater Symbiont. Für seinen vollständigen Lebenszyklus und seine Vermehrung ist er auf eine geeignete Wirtspflanze beziehungsweise lebende Wurzeln angewiesen. Der Pilz, seine Sporen oder Teile seines Myzels können als Inokulum vorliegen; eine Mykorrhiza besteht aber erst nach dem Aufbau der funktionellen Verbindung mit einer Wurzel.
Wie entsteht die Mykorrhiza-Symbiose?
- Lebensfähige Pilzstrukturen keimen im Wurzelraum.
- Pflanze und Pilz tauschen chemische Signale aus.
- Der Pilz erreicht eine kompatible lebende Wurzel.
- Er besiedelt die Wurzelrinde und bildet Arbuskeln.
- Außerhalb der Wurzel wächst extraradikales Myzel in das Substrat.
Die Pflanze stellt dem Pilz vor allem Kohlenstoffverbindungen und Lipide bereit. Der Pilz kann im Gegenzug mineralische Nährstoffe aus dem von seinem Myzel erschlossenen Raum zur Wurzel transportieren. Den Unterschied zu Ektomykorrhiza erklärt Arbuskuläre Mykorrhiza vs. Ektomykorrhiza.
Warum wird die Art so häufig erforscht?
R. irregularis wird oft als Modellorganismus verwendet. Gründe sind seine Symbiosefähigkeit mit vielen Wirtspflanzen und die umfangreiche Datenbasis zu Genetik, Nährstoffaustausch und Wurzelkolonisierung.
Verschiedene Isolate derselben Art können sich dennoch genetisch und funktionell unterscheiden. Der Artname allein garantiert bei jeder Pflanzenart und unter allen Bedingungen nicht dieselbe Reaktion.
Welche Aufgaben kann der Pilz im Wurzelraum übernehmen?
Phosphor und weitere Nährstoffe erschließen
Phosphor bewegt sich im Boden vergleichsweise langsam. Die feinen Pilzhyphen können über den unmittelbaren Wurzelbereich hinauswachsen und weitere Bodenporen erschließen. Je nach System kann die Symbiose auch an der Versorgung mit Stickstoff und Spurenelementen beteiligt sein.
Den funktionellen Erschließungsraum ergänzen
Das Myzel ersetzt die Wurzel nicht und macht sie nicht anatomisch länger. Es ergänzt funktionell ihre Reichweite und Aufnahmeoberfläche, weil seine Hyphen deutlich feinere Poren erreichen können.
Wurzelentwicklung und Pflanzensignale beeinflussen
Eine arbuskuläre Mykorrhiza-Symbiose kann Nährstoffstatus, Hormonsignale und Wurzelarchitektur beeinflussen. Das ist nicht dasselbe wie die Wirkung eines synthetischen Bewurzelungshormons. Mehr dazu steht in Mykorrhizapilz vs. Wurzelstimulator.
Reaktionen auf Stress mitbeeinflussen
In vielen Versuchen wurden positive Reaktionen unter Trockenheit oder anderen Belastungen beobachtet. Solche Ergebnisse hängen von Pflanzenart, Pilzisolat, Stressstärke und Versuchsbedingungen ab. Der Pilz macht eine Pflanze nicht unabhängig von Wasser und gleicht extreme Kulturfehler nicht aus.
Was Rhizophagus irregularis nicht ist
- Kein Dünger: Der Pilz liefert keine fest definierte Nährstoffdosis.
- Kein Bewurzelungshormon: Er erzeugt an einem wurzellosen Steckling nicht automatisch neue Wurzeln.
- Kein Soforteffekt: Zuerst muss eine Wurzel besiedelt und die Symbiose aufgebaut werden.
- Kein Universalpartner: Nicht jede Pflanzenart ist ein geeigneter Wirt.
- Keine Ertragsgarantie: Unter optimal versorgten oder ungeeigneten Bedingungen kann der Zusatznutzen gering sein.
Für welche Pflanzen ist der Pilz geeignet?
R. irregularis kann mit zahlreichen arbuskulären Wirtspflanzen zusammenarbeiten. Dazu gehören viele Gemüse-, Kräuter-, Zier-, Zimmer- und landwirtschaftliche Kulturpflanzen, beispielsweise Tomaten, Paprika und zahlreiche Topfpflanzen.
Nicht sinnvoll ist die pauschale Anwendung bei Pflanzen, die keine funktionelle arbuskuläre Mykorrhiza-Symbiose eingehen oder einen anderen Pilztyp benötigen. Beispiele und Ausnahmen erklärt Für welche Pflanzen ist arbuskuläre Mykorrhiza nicht geeignet?.
Wann ist der beste Anwendungszeitpunkt?
Besonders geeignet sind Situationen, in denen lebende Wurzeln erreichbar sind:
- beim Einpflanzen einer Jungpflanze,
- beim Umtopfen,
- beim Umsetzen bewurzelter Stecklinge,
- beim Auspflanzen in Beet oder Hochbeet.
Das Inokulum muss nicht im gesamten Topf verteilt werden. Die gezielte Platzierung am Wurzelballen ist wichtiger. Siehe Zeitpunkt, Dosierung und Wurzelkontakt.
Wie wird das Inokulum angewendet?
- Wurzelballen oder Pflanzloch zugänglich machen.
- Das Inokulum nach Produktangabe direkt an die Wurzeln geben.
- Mit Substrat bedecken und vorsichtig angießen.
- Gleichmäßige, pflanzengerechte Feuchtigkeit halten.
- Unnötig starke Fungizide sowie extreme Salz- und Phosphorkonzentrationen vermeiden.
Beim Umtopfen lässt sich der Kontakt besonders zuverlässig herstellen. Eine Schrittfolge steht unter Mykorrhiza beim Umtopfen.
Welche Rolle spielt die Konzentration?
Eine Angabe zu Sporen oder anderen lebensfähigen Propagulen erleichtert den Produktvergleich. Mykoritter ist mit 245 lebensfähigen Sporen beziehungsweise Propagulen pro Gramm deklariert. Die Konzentration ist jedoch nicht der einzige Qualitätsfaktor.
Ebenso wichtig sind Lebensfähigkeit, Lagerung, Identität des Pilzmaterials, kompatible Pflanzenwurzeln und korrekte Anwendung. Eine hohe Menge kann fehlenden Wurzelkontakt nicht kompensieren.
Anwendung in Coco und Hydroponik
Ein festes Coco-Substrat kann einen durchwurzelbaren Besiedlungsraum bieten. Hinweise zu Nährlösung, EC und Phosphor stehen im Coco-Guide.
Auch in hydroponischen Versuchssystemen ist eine arbuskuläre Symbiose biologisch möglich. Reine Wasser-, NFT- und Aeroponiksysteme stellen jedoch besondere technische Anforderungen. Der Artikel Mykorrhiza in Hydroponik trennt die verschiedenen Systeme.
Welche Faktoren bremsen die Etablierung?
- fehlender direkter Kontakt zu lebenden Wurzeln,
- eine ungeeignete Pflanzenart,
- dauerhafte Vernässung und Sauerstoffmangel,
- unnötig hohe Salz- oder Phosphorkonzentrationen,
- breit wirkende Fungizide oder oxidative Desinfektion.
Häufige Fragen
Sind Rhizophagus irregularis und Glomus intraradices dasselbe?
Glomus intraradices ist eine ältere Bezeichnung, die weiterhin vorkommt. Bei wissenschaftlichen Vergleichen sollte zusätzlich das konkrete Isolat beachtet werden.
Wie schnell entsteht die Symbiose?
Es gibt keinen universellen Zeitraum. Keimung, Wurzelkontakt, Pflanzenart, Temperatur, Feuchtigkeit und Nährstoffstatus beeinflussen die Kolonisierung.
Kann ich das Inokulum bei bestehenden Pflanzen verwenden?
Ja, wenn es in den aktiven Wurzelbereich eingebracht wird. Schmale Löcher rund um den Wurzelballen oder die Anwendung beim nächsten Umtopfen sind gezielter als bloßes Aufstreuen.
Kann der Pilz einen wurzellosen Steckling besiedeln?
Ohne Wurzel entsteht keine Mykorrhiza. Das Inokulum kann jedoch so platziert werden, dass neu gebildete Wurzeln früh Kontakt erhalten. Siehe Stecklinge und Jungpflanzen.
Fazit
Rhizophagus irregularis ist ein gut untersuchter arbuskulärer Mykorrhizapilz. Sein extraradikales Myzel kann den funktionell erschlossenen Bereich kompatibler Wurzeln erweitern. Der tatsächliche Nutzen hängt von biologischer Kompatibilität und korrekter Anwendung ab.
Mykoritter Premium Mykorrhiza enthält lebensfähiges Inokulum von R. irregularis und wird gezielt direkt an geeignete Pflanzenwurzeln gegeben.